(FA)U for Sustainability: Zukünfte – zwischen Vision und Gestaltung
Im Sommersemester 2026 trägt die diesjährige Ringvorlesung Nachhaltigkeit den Titel „Zukünfte: zwischen Vision und Gestaltung“. Sie greift Fragen der demokratischen Aushandlung, der Kommunikation und der Visionsentwicklung für eine nachhaltige, resiliente und gerechte Zukunft auf. In turnusmäßig wechselnden Beiträgen kommen Perspektiven aus Technik- und Naturwissenschaften, Pharmazie, Kultur- und Geisteswissenschaften sowie aus Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu Wort.
Die Ringvorlesung kombiniert Vorträge aus den fachspezifischen Prinzipien der Nachhaltigkeit mit moderierten Diskussionen im Anschluss. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse mit handlungsorientierten Gestaltungsoptionen zu verbinden und den interdisziplinären Austausch zu fördern. Teilnehmende erwerben so ein vertieftes Nachhaltigkeitsverständnis und stärken ihre Kompetenzen in kritischer Reflexion.
Die Ringvorlesung geht aus der AG BNE (Arbeitsgruppe Bildung für Nachhaltige Entwicklung) der Kommission für Nachhaltigkeit hervor.
Klimaschutz als Schlüsselkompetenz – 2,5 ECTS
Für Studierende der FAU kann diese Veranstaltung im Bereich der Schlüsselqualifikationen oder Wahlfach belegt und anerkannt werden. Bei Teilnahme an der Lehrveranstaltung können 2,5 ECTS erworben werden. Weitere Informationen dazu werden in der Einführungsveranstaltung am 15.04.2026 besprochen.
Rahmeninformationen zur Ringvorlesung
- Zeitraum: 15.04.-15.07.2026 (Sommersemester 2026)
- Tag und Uhrzeit: Mittwochs, 16:30-18:00 Uhr
- Ort: Senatssaal des Kollegienhauses, Universitätsstr. 15, 91054 Erlangen
- Studon– und campo-Kurs
- Aufzeichnungen: im FAU Videoportal
Die Veranstaltung richtet sich an Studierende und Angehörige der FAU, sowie die interessierte Öffentlichkeit.
Programm Ringvorlesung
Motivation und Einführung in das Thema; Formalia der Lehrveranstaltung.
Dozierende: PD Dr. Klaus Geiselhart, Prof. Dr. Gregor Fuhrmann (NAT)
Auf dem Podium begegnen sich zwei prägende Kommunalpolitiker der Region: Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg von 2002 bis 2020, und Dr. Siegfried Balleis, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen von 1996 bis 2014. Beide standen insgesamt 18 Jahre, teils zeitgleich, an der Spitze benachbarter Städte – und bringen damit eine seltene Langzeitperspektive auf die Transformation urbaner Räume, politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Dynamiken mit. Parteipolitisch unterschiedlich verortet, bieten sie zugleich Übereinstimmungen und Kontroversen aus erster Hand.
Im Fokus der Podiumsdiskussion stehen Veränderungen in der lokalpolitischen Landschaft und Stadtgesellschaft während ihrer Amtszeiten, Erklärungsansätze für diese Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf klimapolitische Entscheidungen. Ebenso wird der aktuelle Zustand der demokratischen Kultur auf kommunaler Ebene beleuchtet: Wie ist es aktuell um die demokratische Kultur auf kommunalpolitischer Ebene bestellt? Und welche Chancen liegen auf kommunaler Ebene, Klimaschutz konsensual zu organisieren?
Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Prof. Dr. Petra Bendel, Professorin für Politische Wissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft der FAU Erlangen-Nürnberg. Dort leitet sie den Forschungsbereich Migration, Flucht und Integration (MFI).
Panel-Gäste: Dr. Siegfried Balleis, Dr. Ulrich Maly
Moderation: Prof. Dr. Petra Bendel (PHIL)
Ort: Ratssaal Erlangen, Rathausplatz 1, 91052 Erlangen
Uhrzeit: 19:00 – 20:30 Uhr
Abstract folgt in Kürze.
Dozentin: Dr. Tanja Klepacki (PHIL)
Der Vortrag stellt aus einer politikwissenschaftlichen Sicht die Mehrebenendynamik in der europäischen Umwelt- und Klimapolitik dar: Welche Rolle spielen die supranationale (Brüssel), nationale (Berlin) und lokale Ebene (Erlangen) in diesen Politikfeldern? Wieviel Gestaltungsmöglichkeit bleibt überhaupt für die Kommunen und wie interagieren die Ebenen miteinander? Als Hauptherausforderung werden dabei die zunehmende Politisierung dieser Politikfelder sowie der gesellschaftliche und parteipolitische Widerstand gegen eine grüne Transformation diskutiert.
An illustrativen Beispielen wird dargestellt, wie über Umwelt- und Klimapolitik in den Institutionen der Europäischen Union (EU) entschieden wird, und wie diese Beschlüsse dann in den Mitgliedstaaten weiter ausgestaltet und umgesetzt werden. Der Vortrag greift zentrale Bereiche des sogenannten ‚Green Deals‘ wie beispielsweise das Ziel der Klimaneutralität heraus und zeigt deren Relevanz für die Politik vor Ort in Erlangen auf.
Dozierende: Prof. Dr. Sandra Eckert, Selim Küçükkaya (PHIL)
Wie können wir gemeinsam den nachhaltigen Wandel in der Region gestalten? Welche Rolle spielen dabei Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt? Und wie können wir unser Engagement auch in Zeiten, in denen demokratische Grundwerte immer mehr infrage gestellt werden, aufrechterhalten?
Diesen Fragen widmet sich das Zukunftsforum 2026 „Demokratie im Fokus – Nachhaltigen Wandel gemeinsam gestalten“ in Nürnberg. Es findet am 07. und 08. Mai statt und wird federführend vom zivilgesellschaftlichen Verein forum1.5 Mittelfranken organisiert. Kooperationspartner der Veranstaltungstage sind das Bildungszentrum Nürnberg und das Green Office der FAU Erlangen-Nürnberg.
Donnerstag, 7. Mai 2026 | 19:00–20:30 Uhr
Auftakt mit Podiumsdiskussion im Nicolaus-Copernicus-Planetarium: „Demokratie im Stresstest. Was uns in Zeiten von Rechtsruck und Fake News zusammenhält“. Das Gespräch moderiert Jonas Miller, Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, der die unterschiedlichen Perspektiven zusammenführt und Raum für Austausch eröffnet. Weitere Informationen und Tickets sind hier verfügbar.
Freitag, 8. Mai 2026 | 12:00–21:45 Uhr
Impulse, Workshops, Diskussionen, Mitmachaktionen, Kunst, Musik und Austausch im Nachbarschaftshaus Gostenhof. Das bunte Veranstaltungsprogramm und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.
Die Vorträge und Inhalte des Zukunftsforums sind nicht teil der Klausur zur Ringvorlesung Nachhaltigkeit.
Der Vortrag greift aktuelle Debatten um Future Skills vor dem Hintergrund der Offenheit und Pluralität von Zukünften auf. Zukunft wird dabei nicht als vorgegebenes Ziel verstanden, sondern als gesellschaftlich zu erschließender und auszuhandelnder Möglichkeitsraum. Ausgehend von unterschiedlichen konzeptionellen Zugängen zu Future Skills werden Fragen von Orientierung, Verantwortung und nachhaltiger Zukunftsgestaltung diskutiert.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Übertragung solcher Konzepte in institutionelle Kontexte, etwa in Lehr- und Lernzusammenhänge: Welche Spannungen entstehen, wenn Zukunft nicht nur thematisiert, sondern als offener Aushandlungsraum behandelt wird? Der Beitrag versteht Future Skills damit weniger als individuelles Qualifikationsversprechen denn als Beitrag zu einer reflektierten, nachhaltigen Vorbereitung auf zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen.
Dozierende: Dr. Katrin Götz-Votteler, Dr. Anna Schneider (ZIWIS)
Der Vortrag vergleicht verschiedene theoretische Zugänge zu Demokratie vor dem Hintergrund der Vertrauenskrise in die Demokratie. Wie kann rationale Meinungsbildung unter Bedingungen von Unsicherheit, emotionalisierter Kommunikation und strategischer Einflussnahme noch gelingen und welche institutionellen sowie zivilgesellschaftlichen Voraussetzungen sind hierfür notwendig?
Zwei Fallbeispiele aus Erlangen illustrieren unterschiedliche demokratische Formate und deren jeweilige Modi demokratischer Willensbildung: der Bürgerinnenrat zum Klimaaufbruch wird als deliberatives, dialogorientiertes Beteiligungsformat beschrieben und der Bürgerentscheid zur Stadt-Umland-Bahn (StUB) als plebiszitäres Entscheidungsverfahren. Während der Bürgerinnenrat durch strukturierte Moderation, Informationsbereitstellung und inklusive Diskursformate geprägt ist, zeigt der Bürgerentscheid die Dynamiken öffentlicher Kampagnen, medialer Zuspitzung und potenzieller Desinformationsprozesse.
Der Vergleich der beiden Fälle ermöglicht es, Stärken und Grenzen deliberativer Verfahren gegenüber direktdemokratischen Instrumenten herauszuarbeiten und deren jeweilige Anfälligkeit für Desinformation zu reflektieren.
Dozent: PD Dr. Klaus Geiselhart (NAT)
Die Entwicklung von bakteriellen Resistenzen gegen bekannte Antibiotika hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen. Weltweit sterben bis zu 1,3 Millionen Patienten jährlich an solchen Infektionen. Die WHO hat die antimikrobielle Resistenz daher zu einer der größten aktuellen Herausforderungen für die Menschheit erklärt.
In seinem Vortrag erklärt Prof. Fuhrmann, warum solche Resistenzen entstehen können und wie wir alle einen Beitrag dagegen leisten können. Er erläutert, was die Herausforderungen bei der Entwicklung neuer Therapien sind und möchte dabei einen besonderen Fokus auf zukunftsweisende Impfstrategien legen.
Dozent: Prof. Dr. Gregor Fuhrmann (NAT)
Aufbauend auf der Frage, welche Rolle Zukunftserzählungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit spielen, untersucht der Vortrag kritisch das Konzept sogenannter Zukunftskompetenzen. Dabei geht es darum, wie das Verhältnis von Gegenwart und Zukunft in Bildungszusammenhängen so gestaltet werden kann, dass nicht nur eine einzige, festgelegte „Zukunft“ gedacht wird. Stattdessen wird ein offener Zugang zu vielfältigen, lebbaren Zukünften aufgezeigt. Als Alternative zu Bildungskonzepten, die an linearen Vorstellungen von Zukunft orientiert sind, wird abschließend ein Konzept der kulturellen Resilienzbildung vorgestellt.
Dozentierende: Prof. Dr. Leopold Klepacki, Dr. Tanja Klepacki (PHIL)
Die Ökobilanz (LCA), auch als Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment) bekannt, ist eine Methode zur Bewertung der Umweltauswirkungen, die mit allen Phasen des Lebenszyklus eines kommerziellen Produkts, Prozesses oder einer Dienstleistung verbunden sind. Bei einem industriell hergestellten Produkt werden beispielsweise die Auswirkungen der Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe (Wiege) über die Herstellung, den Vertrieb und die Nutzung des Produkts bis hin zum Recycling oder zur endgültigen Entsorgung der darin enthaltenen Materialien (Grab) bewertet.
Eine Ökobilanz (LCA) strebt eine umfassende Bestandsaufnahme der Energie- und der Materialflüsse an, die entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette eines Produkts, eines Prozesses oder einer Dienstleistung auftreten, und berechnet die entsprechenden Emissionen in die Umwelt. Die Ökobilanz bewertet somit die kumulativen potenziellen Umweltauswirkungen. Ziel ist es, das gesamte Umweltprofil des Produkts zu dokumentieren und zu verbessern, indem sie als ganzheitliche Bezugsgrundlage dient, anhand derer CO₂-Fußabdrücke, Wasser- und Landverbrauch etc. genau verglichen werden können.
Die Vorlesung gibt einen Einblick in die notwendigen Schritte, die Datenbeschaffung, die Abschätzung der Umweltfolgen und die daraus abzuleitenden Handlungsempfehlungen. Anhand konkreter Beispiele werden auch die Schwierigkeiten und Grenzen des Life Cycle Assessments diskutiert.
Dozent: Prof. Dr. Martin Hartmann (TECH)
Die Vorlesungseinheit führt in die Grundlagen der nachhaltigen Produktentwicklung ein und zeigt, warum ökologische und gesellschaftliche Anforderungen zunehmend zu zentralen Treibern technischer Innovation werden. Studierende lernen, wie Entscheidungen in frühen Entwicklungsphasen die Umweltwirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus maßgeblich bestimmen. Aufbauend darauf werden zentrale Einflusshebel, Methoden und Werkzeuge vorgestellt, mit denen Nachhaltigkeitsaspekte systematisch in die Produktentwicklung integriert werden können.
Anhand ausgewählter Beispiele wird verdeutlicht, wie Zielkonflikte zwischen Ökologie, Ökonomie und Technik in der Praxis adressiert werden. Die Veranstaltung schafft damit eine fundierte Basis, um nachhaltige Lösungen in zukünftigen Entwicklungsprojekten aktiv mitzugestalten.
Dozent: Prof. Dr. Sandro Wartzack (TECH)
Als in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts erste Visionäre und Idealisten sündteure und ineffiziente Solarpanels auf ihre Dächer installierten, waren sich Wissenschaft und Energiewirtschaft ganz überwiegend einig, dass die Photovoltaik niemals eine Technologie werden könnte, die einen signifikanten Beitrag zur Stromversorgung industrialisierter Staaten leisten könne. Demgegenüber proklamierten schon in den siebziger, in den neunziger und auch heute wieder große staatliche Förderinitiativen die Einführung einer Wasserstoffwirtschaft, die bis heute nicht Realität wurde. Auch die Kernfusion blieb trotz milliardenschwerer Förderprogramme über Jahrzehnte nur Vision.
Visionen für die Energiewirtschaft bestimmen nicht erst seit der Energiewende die gesellschaftliche Diskussion. Welche Visionen sind realistisch, welche Mechanismen bestimmen die wirtschaftliche und technische Realisierbarkeit neuer Technologien und welche Rolle spielen dafür Gesellschaft, Investoren und die Politik?
Der Vortrag greift an historischen Beispielen die Schicksale vieler fortschrittlicher Ideen auf, diskutiert die erschwerten Randbedingungen für Innovationen in der Energiewirtschaft und versucht eine Einordnung aktueller Visionen für die Zukunft unserer Energieversorgung.
Dozent: Prof. Dr. Jürgen Karl (TECH)
Abstract folgt in Kürze.
Dozent: Prof. Dr. Karl Mandel (NAT)
Lange Zeit erschien Zukunft als Fortschrittsversprechen. Heute überlagern sich Klimakrise, demografischer Wandel und Künstliche Intelligenz zu einer „Polykrise“, die vertraute Gewissheiten erschüttert und Orientierung schwieriger macht. Die Gleichzeitigkeit dieser Umbrüche erzeugt Überforderung – und verlangt ein anderes Verständnis von Zukunft.
Der Vortrag fragt, was es bedeutet, strukturelle Veränderungen nicht isoliert, sondern in ihren Wechselwirkungen zu betrachten. Wenn ökologische, soziale und technologische Dynamiken ineinandergreifen, entstehen neue Zielkonflikte – aber auch unerwartete Innovationsräume für Unternehmen, Politik und Wissenschaft.
Zukunft erscheint dann weniger als lineare Prognose denn als Gestaltungsraum. Wer lernt, Polykrisen zusammenzudenken, kann aus der Gleichzeitigkeit vermeintlich unverbundener Herausforderungen neue Formen von Innovation und Gestaltung entwickeln.
Dozent: Prof. Dr. Markus Beckmann (WiSo)
Informationen zur Klausur werden in der Einführungsveranstaltung bekanntgegeben.
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- Plakat folgt in Kürze
